Wie schön blüht uns der Maien?

Bericht von der Veranstaltung zum Thema Artenvielfalt

Am Donnerstag, den 16.05. hatte die Fraktion der Grünen zu einem Vortragsabend mit zwei wichtigen Themen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der heimischen Kulturlandschaft eingeladen. Rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger füllten den Veranstaltungssaal im Deutschen Haus vollkommen aus.

Peter Rüther von der Biologischen Station Senne referierte über das Thema Artenvielfalt im Wandel sowie über Veränderungen der Pflanzen- und Tierwelt im Laufe der Zeit. Über 70.000 Pflanzen und Tierarten kommen in Deutschland vor. Die Änderung der Artenvielfalt in den letzten 1 Mio. Jahren geht dabei im Wesentlichen auf Klimaveränderungen und menschliches Handeln zurück. So breiten sich einerseits Arten aus wärmeren Gefilden von Süden kommend auch nach Deutschland aus, wie die Wespenspinne, die erst seit 30 Jahren auch hier vorzufinden ist. Auf der anderen Seite sind rund 40% der Pflanzenarten in NRW gefährdet bzw. knapp 5% sogar bereits ausgestorben.

Ein Beispiel für die Arbeit der Biologischen Station Senne ist der Kibitzschutz im Kreis Paderborn, bei dem alle Brutpaare im EU-Vogelschutzgebiet „Hellwegbörde“ erfasst werden. Von 2010 mit 109 Brutpaaren ist der Bestand auf 35 Brutpaare in 2018 zurückgegangen. Daher werden Landwirte beispielsweise gezielt angesprochen, wenn Gelege auf ihren Flächen gefunden werden, um diese Nester zu schützen. Die Kooperationsbereitsschaft sei hoch, so Peter Rüther.

Kibitz, Foto: Werner Venne

Bei der Frage, was wir tun können, um die Artenvielfalt zu erhalten, setzt Peter Rüther auf die Integration von Artenschutz in öffentliches und privates Handeln. Da ca. 50% der Bundesfläche landwirtschaftlich genutzt wird, müsse die Agrarförderung dabei ein besonderer Schwerpunkt sein. Dabei sieht er jedoch nicht nur die Landwirte selbst in der Verantwortung. Die Entwicklung in der Landwirtschaft sei in der Vergangenheit auch Verbrauchergetrieben gewesen. Es muss letztlich einen Gesamtkonsenz zur maßvollen Nutzung von Natur und Landschaft geben, es sei falsch nur auf die Landwirte zu zeigen.

Auf die Frage aus dem Publikum, was private Gartenbesitzer tun können, weist Rüther auf ein neues Programm hin, was durch den Kreis Gütersloh mit unterstützt wird. Demnächst solle es in der Stadt Verl und weiteren Städten zu diesem Thema direkte Beratungen durch die Biologische Station geben.

Im zweiten Vortrag informierte der Schmetterlingsexperte Rudolf Pähler von der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) über Ackerblühstreifen im Kreis Gütersloh. Dazu stellte er Erkenntnisse aus einer Monitoringstudie vor, bei der 5 verschiedene Blühsamenmischungen an verschiedenen Orten (auch Verl) auf 29 Flächen ausgebracht worden sind. Auf definierten Begehungsstreifen werden seitdem mit einem standardisierten Verfahren Schmetterlinge gezählt. Auch bei seiner Arbeit kann Rudolf Pähler die Beobachtungen von Peter Rüther bestätigen, dass sich manche südliche Arten neuerdings auch in Deutschland ausbreiten. So sei 2008 erstmals eine neue Tragfalterart in den Süden von Deutschland eingewandert und 2016 erstmals auch bei uns durch Pähler selbst erfasst worden.

Blühstreifen, Foto: Rudolf Pähler

Auch Rudolf Pähler betont die gute Kooperation mit Landwirten, die beim Blühstreifenprojekt mitmachen. Und das trotz der Bürokratie, die mit der Förderung von ökologischen Vorrangflächen einhergehe. Besonders problematisch sei die Gesetzeslage zur Umwandlung von Ackerland in Grünland, wenn das Land über 5 Jahre lang als Grünfläche, wie z.B. auch als Blühstreifen genutzt werde. Um die dauerhafte Umwandlung und damit einen Wertverlust zu vermeiden, müssten dann Blühstreifen vor Ablauf der Frist wieder umgebrochen werden und könnten somit nicht längerfristig erhalten bleiben.

Nach einer angeregten Diskussion mit vielen Fragen endete die Veranstaltung mit einem großen Gewinn an Erkenntnissen für alle Beteiligten.

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